Carl Zeiss Jena Flektogon 35mm f/2.4

Der Name Flektogon verpflichtet zu einem kurzen Blick in die Fotogeschichte. Im Jahr 1950 entwickelten Carl Zeiss Jena und Pierre Angénieux parallel und unabhängig voneinander eine auf dem Retrofokus-Design basierende optische Konstruktion. Diese ermöglichte die Herstellung von lichtstarken Weitwinkelobjektiven (<40mm) an Spiegelreflexkameras (Quelle: wikipedia). So gelten das Flektogon 35mm f/2.8 und das Angénieux Retrofocus 35mm f/2.5 als „Urväter“ aller modernen Weitwinkelobjektive.

Das Flektogon 35mm f/2.4 ist eine komplette Neukonstruktion und erschien 1972 als Nacholger des 2.8er Flektogons. Es wird bis heute sehr geschätzt und erreicht bei f/5.6 sein Optimum in der Bildleistung (Quelle: zeissikonweb.de). Das Objektiv wird durch seine sehr guten Allround-Eigenschaften als „Kult Klassiker“ bezeichnet. Es zeichnet sich durch eine sehr geringe Naheinstellgrenze von 20 cm, gute Schärfe und die Zeiss-typischen Farben (besonders Rot-/ Orangetöne) aus. Es ist eine der wenigen Konstruktionen, die von Objektivherstellern aus dem Westen kopiert wurden (Zeiss Oberkochen, Distagon).

Mein Exemplar habe ich im unbenutzten Neuzustand gekauft. Es hat eine fünfstellige Seriennummer und wurde zwischen 1976 und 1989 hergestellt.

Bisher habe ich das Objektiv nur nachts getestet. Mein erster Eindruck ist sehr positiv. Die Farben sind sehr schön und im Bokeh werden Spitzlichter als runde, bunte Bubbles dargestellt.

Auto Yashinon DX 50mm f/2

Das Auto Yashinon ist ein sehr seltenes „Hidden Gem“. Aufmerksam darauf wurde ich über den Classic Lenses Podcast. Ansonsten gibt es online so gut wie keine Reviews über das Objektiv. Hier wurde das Objektiv als „Lichtmaler“ vorgestellt und laut einer japanischen Website ist die Vorgänger-Version (noch 5cm f/2) baugleich mit dem legendären Tomioka Tominon 5cm f/2.

Das Yashinon wurde wahrscheinlich Ende der 60’er hergestellt und sieht anders aus als meine anderen Objektive. Es hat eine Ummantelung aus glänzendem Chrom und die Blende ist in einem kleinen Sichtfenster darin ablesbar – sehr schick.

Das Yashinon hat für meinen Geschmack ganz hervorragende Farben, die sehr gut mit der Fuji Filmsimulation „Classic Chrome“ harmonieren. Die Schärfe ist bemerkenswert und das Rendering der unscharfen Bereiche ist malerisch weich und auch räumlich, ähnlich wie bei dem Summicron.

Nikon Nikkor 28mm f/2.8 AI-S

Das Nikkor 28mm 2.8 AI-S ist das jüngste der bisher vorgestellten Objektive auf dieser Seite. Es wurde in dieser Ausführung von 1981 bis 2005 hergestellt. Das Objektiv hat acht Elemente in acht Gruppen und Floating Elements (CRC) bei einer Naheinstellgrenze von 20 cm. Durch diesen optischen Aufbau wird eine geringe Verzeichnung und eine verbesserte Abbildungsleistung im Nahbereich erreicht. Ken Rockwell bezeichnet das Objektiv als Nikon’s schärfstes manuelles Weitwinkelobjektiv und auch weitere Reviews berichten sehr positiv von dem 28er (z.b. auch bei digicamclub.de).

Mein Objektiv habe ich „boxed“ mit der Original Gegenlichtblende bekommen.

Ich habe an dem Objektiv bisher zwei Eigenschaften ausgemacht, die ich besonders interessant finde. Da ist zum einen das Verhalten bei Aufnahmen gegen die Sonne. Dabei wird die Sonne meiner Meinung nach sehr schön abgebildet und außerdem hat das Objektiv (im Zusammenspiel mit dem Sensor) eine sehr hohe Dynamikreserve in der Nachbearbeitung (Bild 3). Zum anderen finde ich die Farbübergänge äußerst fein abgestuft und sehr harmonisch.

S-M-C Macro-Takumar 100mm f/4

Das Macro-Takumar wurde 1975 und 1976 produziert, hat fünf Elemente in drei Gruppen, eine minimale Fokusdistanz von 45 cm und wiegt 350 Gramm (Quelle: allphotolenses.com). Es ist ein relativ seltenes Objektiv, von daher findet man Informationen dazu fast ausschließlich im Pentax Forum. Dort ist es hinsichtlich aller Kriterien (Schärfe, CA, Bokeh, Handling, Value) durchgehend ausgezeichnet bewertet.

Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Objektiv zeigen scharfe Abbildungen mit den typischen Takumar-Farben im nahen als auch weiter entfernten Bereich. Der Fokusweg ist lang, dafür klappt die Fokussierung aber auch gut. Makro- und Bokehexperimente stehen noch aus.

Meyer-Optik Görlitz Lydith 30mm f/3.5

Das Lydith hat in der Community legendären Status. Es kam 1964 als preisgünstigere Alternative zum Carl Zeiss Flektogon auf den Markt und ging schon bald in das Pentacon 30mm f/3.5 über. Es ist ein recht einfach konstruiertes, kleines Objektiv mit fünf Elementen in fünf Gruppen, zehn Blendenlamellen und einer Naheinstellgrenze von 30 cm. Das Lydith wurde berühmt für seine scharfe und farbgetreue Abbildung sowie eine gewisse „Präsenz“ bzw. Plastizität, die von den Bildern des Objektivs ausgeht (Quelle: photo.net). Die scharfe Abbildung bezieht sich allerdings im Wesentlichen auf das Zentrum. An den Rändern fällt die Schärfe deutlich ab (MTF Test). Weiterhin hat das Objektiv eine geringe Verzeichnung, wenig auffällige CA’s und ein angenehmes Bokeh. Es ist aufgrund der unvergüteten Linsen anfällig für Flares, kann aber schöne Sonnensterne erzeugen (Quelle: Alex Kunz).

Hier meine beiden Versionen: Das MOG Lydith und das Pentacon. Die Randunschärfe ist mir besonders beim Lydith aufgefallen, das Pentacon hat mich überrascht mit einer sehr guten Schärfe bis in den Randbereich bei Vollformat (siehe erstes Bild).

S-M-C Takumar 35mm f/3.5

Das 35er f/3.5 Takumar ist auf dem Papier kein besonderes Objektiv: Es ist nicht lichtstark, hat eine minimale Fokusdistanz von 45 cm und ist günstig zu erwerben. Das Bokeh wird ebenso nicht besonders gut bewertet. Trotzdem hat das Objektiv viele Anhänger, da es hochwertig, klein und leicht (149g) ist und bei f/8 in der Schärfe mit modernen Objektiven mithalten kann (MTF20). Weiterhin wird es für Videoaufnahmen sehr empfohlen.

Meine Version ist die Super-Multi-Coated Variante des Takumars, die ab 1971 gebaut wurde. Ich schließe mich der Bewertung aus diesem Review an, wonach sich das Objektiv aufgrund seiner Eigenschaften hervorragend für Street und Landschaftsfotografie bei Tageslicht eignet. Die Kombination aus Qualität, Kompaktheit, Schärfe und Farben lässt mich das 35er Taki gerne nutzen.

Meyer-Optik Görlitz Domiplan 50mm f/2.8

Das Domiplan ist mit mehr als 2.100.000 Exemplaren eines der am meistgebauten Objektive mit m42 Anschluss. Es basiert auf dem Trioplan (ist also ein Triplet mit drei Linsen in drei Gruppen) und wurde zwischen 1960 und 1979 hergestellt (Quelle: digicamclub.de). Es ist weder besonders lichtstark, noch hat es mit 0,75m eine gute Naheinstellgrenze. Es ist sehr günstig (um die 20 Euro) zu kaufen und wird oft für seine mangelnde Schärfe, Serienstreuung und teils schlechte Verarbeitungsqualität kritisiert. Ein Kaufgrund ist das Triplet-Design und das damit einhergende „Bubble“-Bokeh.

Mein Exemplar ist ein Q1 der zweiten Bauform (zwischen 1963 und 1967 hergestellt) Original Meyer-Optik. Der Zustand ist exzellent und von den Bildern war ich mehr als positiv überrascht. Das Objektiv ist für viele Zwecke ausreichend scharf, stellt Farben sehr charaktervoll dar und erzeugt Bubbles im Bokeh. Die Haptik und Verarbeitung fühlt sich ebenso wertig an. Offenbar habe ich ein gutes Exemplar erwischt.

SMC Takumar 55mm f/1.8

Es ist an der Zeit, das erste der wunderbaren Asahi Pentax Takumare vorzustellen. 

Der Name Takumar leitet sich ab von dem Maler Takuma Kajiwara, Bruder von Kumao Kajiwara, der die Firma im November 1919 gegründet hat (Quelle: wikipedia).

Wer zum ersten Mal ein Taki in der Hand hält, wird begeistert sein von der tollen Verarbeitung und dem butterweichen, metallenem Fokusring. Die Takumar-Objektive haben eine große Fangemeinde. Auf pentaxforums.com finden sich umfassende Reviews zu allen Takumaren.

Das 55er Takumar ist radioaktiv durch die Verwendung von Thoriumoxid als Bestandteil des Glases. Der Vorteil  ist die höhere Brechkraft und gleichzeitig geringere Streuung des Glases, so dass kostengünstigere Linsen mit geringerer Krümmung gebaut wurden konnten. (Quelle: kamerakult.de).

Es gibt verschiedene Einschätzungen, wie gefährlich die Nutzung einer strahlenden Linse ist. Als Konsens habe ich verstanden, dass die Strahlen durch die Kamera ausreichend abgeschirmt werden und die gelegentliche Verwendung harmlos ist, solange das Glas nicht bricht. Für eine weitere Vertiefung des Themas findet man hier weitere Informationen sowie eine Liste aller radioaktiven Objektive.

Zurück zum Objektiv: Ich finde das Objektiv (leicht abgeblendet) im Nah- und Fernbereich sehr scharf. Farben stellt es leicht warm und natürlich dar. Die Kontraste sind so gehalten, dass sich ein gewisser 3D-Effekt einstellt, den man besonders gut an der Waldaufnahme in schwarz – weiss erkennen kann. Von daher ist das Objektiv für mich definitiv ein „Keeper“.

Special: Die Dolomiten mit Vintageobjektiven

Ich hatte Spaß an der Vorstellung, nur mit alten Vintageobjektiven in die Berge zu fahren. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich in manchen Situationen nicht Autofokus, Zoom oder die verlässliche Abbildungsleistung moderner Objektive vermissen würde. 

Dabei waren fast ausschließlich DDR – Objektive:  Das Lydith als Weitwinkel für Vollformat sowie das Flektogon als lichstärkere Variante dazu, das Pancolar als scharfes Normalobjektiv mit Zeiss Farben, das SK an der Fuji als Standard, das 135‘er 2.8 Meyer Görlitz als Tele für Gipfelportraits und das kleine Trioplan für die Bubbles. 

Lightweight geht sicher anders, aber ich habe das Equipment gerne durch die Berge getragen. Und jetzt hoffentlich viel Spaß beim Betrachten der Bilder …

Helios 44 – 2/4/M 58mm f/2

Die Helios 44 sind Klassiker unter den Vintage Objektiven und besonders bekannt für ihr sogenanntes „Swirley Bokeh„. Sie sind optisch eine Kopie des Carl Zeiss Biotar und wurden zwischen Ende der 50er und Anfang der 90er Jahre in sehr vielen Ausführungen und an verschiedenen Standorten in der UDSSR hergestellt.

Mein erstes Helios war ein 44-M4 mit einer minimalen Fokusdistanz von 50 cm. Dieser Version wird ein weiches, verträumtes Bokeh zugeschrieben und damit eine sehr gute Eignung für Portraits und Streetphotography (b/w) sowie Blumenaufnahmen.

Mein Helios 44-2 von 1972 ist aus Krasnogorsk (KMZ) und gemäß dem buying guide video ein eher seltenes Exemplar.

Das 44-2 ist ebenso eher für Portraits (Menschen, Pflanzen, Tiere) mit einem „swirley“ Hintergrund bekannt. Ich habe das Objektiv für Landschaftsaufnahmen ausprobiert. Die Schärfe auf die Distanz lässt etwas zu wünschen übrig und das 44-2 kämpft mit CA’s, aber trotzdem mag ich den Look.